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Die Critical Mass in Stuttgart unterscheidet sich offenkundig von gleichlautenden Aktionen in anderen Städten, denn sie findet als offiziell angemeldete Versammlung statt. Warum ist das so und was bedeutet das für unsere Bewegung?

Theorie…

Nach dem Relaunch der Critical Mass Stuttgart im Mai 2010 wurde die Verkehrspolizei recht schnell auf unsere Gruppe von zwanzig bis dreißig Radfahrern aufmerksam, was zu längeren Diskussionen und Standzeiten am Straßenrand führte. Die Standpunkte von Radfahrern und Ordnungshütern waren und sind dabei konträr: erstere pochen auf das Verbandsrecht nach §27 der StVO, letztere stufen die Radfahrten durch Stuttgarts City als politische Meinungsäußerung und somit grundsätzlich als „anmeldepflichtige Versammlung“ ein. Eine Einschätzung, die ganz nonchalant offenbart, welcher Geist auf den Straßen Stuttgarts herrscht: ein gut motorisierter offensichtlich. Ansonsten könnte man das massenhafte Auftreten von Kraftfahrzeugen in unserer Stadt ebenfalls leicht als verkehrspolitisches Statement begreifen.

Welche Ansätze zur Konfliktvermeidung mit der Polizei gibt es also? Unsere naheliegende Strategie lautet: wir holen die Verkehrspolizei mit ins Boot. Unser Problem sind schließlich nicht die fünf Polizisten auf Motorrädern, sondern eher die fünfzigtausend Autos, die tagein, tagaus die Innenstadt blockieren und die uns das Radfahren zum gefährlichen Hindernisparcours machen.

Mag sein, dass für Einige dadurch die subversive Grundhaltung der Critical Mass ein wenig aufgeweicht wird. Andererseits sind vermutlich längst nicht alle Teilnehmenden bereit, sich der Konfrontation mit der Polizei zu stellen. Denn eigentlich geht es bei einer Critical Mass ja darum: wir zeigen, dass Radfahren in der Stadt eine sichere Angelegenheit sein kann. Wenn wir in Stuttgart dafür Polizeischutz brauchen, wirft das einfach nur ein entsprechendes Licht auf die verfehlte Verkehrspolitik dieser Stadt.

…und Praxis:

Status

Die Behörden haben einen Ansprechpartner (meine Wenigkeit). Ich kümmere mich gern darum, dass Ordungsamt und Verkehrspolizei mitspielen. Für einen gelungenen Ablauf auf der Straße sind dann alle Teilnehmer selbst verantwortlich.

Strecke

Der festgelegte Streckenverlauf hat Vor- und Nachteile. „Auf der Strecke“ bleiben Spontaneität und Selbstbestimmung des Radler-Schwarms. Was sich andernorts an jeder Kreuzung neu entscheidet, ist bei uns vorgegeben. Durch die Abstimmung mit den Behörden ist es allerdings möglich, auch wirklich alle Straßen unserer Stadt zu befahren. Und da gibt es ja noch so einige Bereiche, die bisher nur dem Autoverkehr vorbehalten sind.

Ordner

Mittlerweile haben wir das Corken gelernt. Jeder sollte sich als Teil der kritischen Masse für das große Ganze verantwortlich fühlen. Corken müssen wir alle Straßen und Einmündungen, an denen wir unser Verbandsrecht ausüben. Auch an Fußgängerüberwegen müssen wir aufpassen, da uns schon mehrfach Passanten ungeduldig vor die Räder gelaufen sind.

Fazit

Ich hoffe, wir können auf diese Weise noch unzählige kritische Massen durch Stuttgart rollen lassen. Wer Wünsche, Kritik oder weiterführende Ideen hat, der findet mich zum Austausch derselben meistens in der Nähe der Bumbox. Keep on rolling – cheers!

Alban Manz

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4 Gedanken zu „

  1. jochenkr

    Ihr macht die Organisation der ganzen Veranstaltung sehr, sehr gut. Dadurch ist euch ja auch gelungen, so eine große, bedeutende Critical Mass in Stuttgart zu mobilisieren. Wer weiß, ob bei spontanen und auf Konfrontation ausgelegten Touren genauso viel Leute mit der Sache sympathisieren, und ob so viele Familien und überhaupt gemischtes Publikum dabei wäre. Ich freue mich schon auf die nächste im September. Gruß, Jochen

    Antwort
  2. Bernhard Deimel

    Auch in Erfurt werden die CMs angemeldet.
    Es hat zudem den Vorteil, dass wir selber Pressearbeit machen können.
    Auch konnte damit die Teilnehmerzahl schnell erhöht werden.
    Bei uns war die Motivation, das sehr gefährende Verhalten von einigen Autofahrern.
    Am besten gefällt es uns wenn die Fahrradstaffel uns begleitet. Nur bei der letzten CM hatten wir Polizeibegleitung die nicht im Sinne der CM handelte.
    Manchmal wurde die Strecke direkt vor Ort von der Polizei in unserem Sinne verbessert.

    Antwort
  3. Pingback: CRITICAL MASS STUTTGART

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